Pickwick Papers | 9. Kapitel: S. 186 – 196

9. Kapitel: A Discovery and a Chase

Schurke – was für ein interessantes Wort! Leider heute nur noch selten benutzt, wenn man mal von den berühmten „Schurkenstaaten“ absieht. „Villain“, „Wretch“ oder „Rascal“ – all diese Worte finden sich im Pickwick Club und stehen im Englischen für Halunken, Gauner, Lumpen, Spitzbuben oder eben auch Schurken. In der modernen Kriminalliteratur gibt es den „Kriminellen“, den „Killer“ (das sind die besonders bösen Buben), den „Verbrecher“ oder – neutralisierend – den „Täter“. Aber da die meisten modernen Kriminalromane sowieso nur den Mord kennen, erübrigen sich natürlich auch so schöne Begriffe wie Lumpen oder Schurken.

Ein ausgemachter Schurke ist sicher Alfred Dingle, der sich die alte Jungfer schnappt und mit ihr flüchtet. Der erzürnte Mr. Wardle und der tapfere Mr. Pickwick jagen dem Paar hinterher. Was Dickens hier inszeniert, ist eine filmreife Verfolgungsjagd mit Pferdekutschen. Was mich im Kino oft langweilt und eher eine Zurschaustellung von Technik ist – schnelle Autos rasen hintereinander her, dann kracht es, Explosion, Feuerball – bei Dickens wird es in seiner altmodischen Art zu einer stimmungsvollen Actionszene. Auch die komischen Elemente – falsch eingespannte Pferde und spitzbübische Stationswärter – werden von ihm in dieser Nachtszene eingesetzt. Dazu eine Prise Schauerromantik: Der Mond wird allmählich von Wolken verdeckt, Wind kommt auf, Regen setzt ein. Die finster-flotte Verfolgungsjagd nimmt ihr Ende mit einem Unfall der Verfolgenden, während der Schurke Dingle mit Jungfer und einem hämischen Lachen entkommt.

Wer dieser grandios erdachte Schurke ist – im kommenden Kapitel könnte es Aufklärung geben.

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