Pickwick Papers | 13. Kapitel: S. 236 – 255

13. Kapitel: Some Account of Eatanswill; of the State of Parties therein; and of the Election of a Member to serve in Parliament for that ancient, loyal, and patriotic Borough

Tief in der Dickens-Lektüre versunken, die mich tatsächlich schon bis zu jenem schaurigen 21. Kapitel geführt hat, in dem mir ein alter Mann in einer Spelunke etwas über Geister und seltsame Klienten berichtet und habe darüber mein kleines Lektüreblog vernachlässigt. Schande über mich. Ausgerechnet das 13. Kapitel, in dem mich Mr. Dickens in jenes legendäre Eatanswill führt, um dort Zeugen einer wunderlichen Polit-Posse zu werden.

Dickens und die Politik – vermutlich haben fleißige Literaturwissenschaftler darüber schon ausgiebig nachgedacht, geforscht und diskutiert. Jenes Eatanswill taucht, wenn Sie einmal den Suchschlitz bei Google benutzen, auch heute noch in der kritischen Politikberichterstattung der anglo-amerikanischen Presse auf. Schildert der gute Dickens just in diesem 13. Kapitel der „Pickwicker“ doch den Dauerstreit zwischen den „Blues“ und den „Buffs“ und damit auch den immerwährenden Kampf zwischen den beiden Zeitungen, die die jeweilige politische Partei begleiten: Die Gazette, die die Grundsätze der „Blues“ vertritt und der Independent, der den „Buffs“ nahesteht.

Die Herren Pickwick & Co. reisen also in jenes Städtchen, das auf keiner Landkarte zu finden sein wird, in dem gerade die Wahl für den Abgeordneten zum „Commons House of Parliament of the United Kingdom“ ansteht. Eine außerordentlich wichtige Wahl, bei der die Etanswiller zwischen dem ehrenwerten Mr. Samuel Slumkey für die „Blues“ und Mr. Horatio Fizkin für die „Buffs“ entscheiden können. Mr. Pickwick kann nicht ganz objektiv an die Wahlbeobachtung herangeht, ist er doch auf Einladung seines neuen Freundes Mr. Perker in Etanswill – und der ist der Anwalt von Mr. Slumkey, also ein „Blauer“.

Was folgt ist die Schilderung eines Wahlkampfes, wie er auch heute noch zu beobachten wäre: Kaum unterscheidbare Kandidaten, dafür aber jede Menge Schimpf und Schande, verbreitet über das jeweilige Presseblättchen. Dazu Wahlwerbegeschenke – hier in Form von grünen Sonnenschirmen und gemeinen Versuchen, die Wahlkraft der Gegenseite zu schwächen. Schließlich aggressive Reden, Tumulte gar und dann – einen Gewinner. Wenn Politiker über ihr Ansehen klagen, dann sei ihnen die Lektüre des 13. Kapitels der „Pickwicker“ empfohlen. Denn schon damals zeigten sich die gleichen Ursachen für Politikverdrossenheit – gelernt hat daraus aber offensichtlich noch keiner.

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