Pickwick Papers | 6. Kapitel: S. 139– 154

6. Kapitel: An old-fashioned Card-party. The Clergyman’s Verses. The Story of the Convict’s Return

Angekommen in der guten Stube der Familie Wardle wird ein Partie Rubber gespielt, eine Variante des Kartenspiels Whist – „The best of three games of whist“ heißt es in den Anmerkungen.
Whist wird heute wohl kaum noch gespielt, aus ihm ist Bridge hervorgegangen, so sagt es die Wikipedia. Kann das eigentlich heute noch jemand spielen? Als kleiner Querverweis fällt mir ein, dass in den „Lucia & Mapp“-Romanen, die in den 20er Jahren spielen, von E. F. Benson immer wieder die Rede von einem „Rubber of Bridge“ ist.

Selbstverständlich dürfen hier auch die Damen spielen – sie treten gegen die Herren an. Eine besonders entzückende Figur ist natürlich die alte Mrs. Wardle, die Mutter des Gastgebers. Die Enkel sind um sie versammelt, halten ihr das Hörrohr und überhaupt ist das pure Familienidylle. Mit geistigem Beistand, denn der Pfarrer ist ebenfalls anwesend. Ein Pfarrer mit der Neigung zur Poesie, hat er doch das Gedicht „The Ivy Green“ verfasst. Merkwürdigerweise fehlt diese Gedicht in der deutschen Übersetzung von Gustav Meyrink.

Dafür ist dort auch die schaurige und traurige Geschichte des Strafgefangenen Edmunds zu lesen, der als Kind von seinem Vater – wie auch seine Mutter – misshandelt wurde, auf die schiefe Bahn geriet und schließlich in ein Straflager geschickt wurde. Während er fort ist, stribt seine Mutter einen einsamen Tod. Als er schließlich aus dem Straflager heimkehrt, trifft er auf seinen, alten, teuflichen Vater, der vor seinen Augen stirbt. Wieder so ein großes Drama und wieder – wie schon die Geschichte vom wandernden Schauspieler – von den Figuren erzählt und nicht erlebt. Interessanter, erzählerischer Ansatz, den Dickens hier betreibt und eine sehr typische „Dickens-Geschichte“.

„‚In that corner of the churchyard,‘ said the old gentleman, after a silence of a few moments, ‚in that corner of the churchyard of which I have before spoken, there lies buried a man who was in my employment for three years after this event, and who was truly contrite, penitent, and humbled, if ever man was. No one save myself knew in that man’s lifetime who he was, or whence he came—it was John Edmunds, the returned convict.‘ „

Pickwick Papers | 5. Kapitel: S. 128 – 139

5. Kapitel: A short one. Showing among ohter Matters, how Mr. Pickwick undertook to drive, and Mr. Wrinkle to ride; and how they both did it.

„Bright and pleasant was the sky, balmy the air, and beautiful the appearance of every object around, as Mr. Pickwick leaned over the balustrades of Rochester Bridge, contemplating nature, and waiting for breakfast. The scene was indeed one which might well have charmed a far less reflective mind, than that to which it was presented.“

In diese morgendliche Strandidylle schickt Dickens den trübsinnigen Jemmy mit Selbstmordgedanken und traumatischen Kindheitserinnerungen – ein starker Kontrast. Die Trübsal hält allerdings nur kurz an, denn kurz darauf begeben sich die Herren Pickwick, Winkle, Snodgrass und Tupman auf ihre Fahrt nach Dingley Dell zur Familie von Mr. Wardle. Selbstverständlich darf auch hier die komische Szene – diesmal mit durchgehenden Pferden – nicht fehlen. Ein, wie die Überschrift schon sagt, kurzes Kapitel, das von schönen Skizzen lebt. Aber ziehen wir schnell weiter zur Familie Wardle und einer gemütlichen Runde mit Kartenspiel, Efeu-Gedichten und einer schaurigen Geschichte.

Pickwick Papers | 4. Kapitel: S. 115 – 128

4. Kapitel: A Field-Day and Bivouac. More new Friends. An Invitation to the Country

„Many authors entertain, not only a foolish, but a really dishonest objection to acknowledge the sources whence they derive much valuable information. We have no such feeling. We are merely endeavouring to discharge, in an upright manner, the responsible duties of our editorial functions; and whatever ambition we might have felt under other circumstances to lay claim to the authorship of these adventures, a regard for truth forbids us to do more than claim the merit of their judicious arrangement and impartial narration. “

Dickens als Fürsprecher des Quellenschutzes und der Quellenangabe – das wirkt ein wenig ironisch, wenn man an die Querellen denkt, die es nach dem Tod des ersten Illustratoren, Robert Seymour, denkt. Zum Zeitpunkt der Niederschrift konnte Dickens dies freilich nicht wissen.

In diesem zünftigen Kapitel schickt er den Leser mit Begeisterung zu einer Armeeübung – zumal seine Figur, Mr. Pickwick, ein ausgemachter Freund des Militärs ist. So angetan von den Soldaten, dass er fast in ihre Schusslinie gerät, was Dickens einmal mehr Anlass zu komische Szene bietet. Der vom Wind weggewehte Hut ist da nur ein Element. Schwenk rüber zur Kutsche mit dem dicken Joe, der ebenfalls eine dieser kuriosen Gestalten ist, die hier verewigt wurden und der in diesem Kapitel seinen ersten Auftritt hat. Der schlafkranke und übergewichtige Junge ist der Diener von Mr. Wardle. Dessen Töchter Emily und Isabella sowie deren Tante, die Jungfer Rachel, knüpfen hier erste, zarte Bande mit den Herren. Dezent und harmlos, wie es sich für diese Zeit gehört. Das Kapitel endet mit einer – wie ich finde – etwas unverhofften Einladung auf Land.

Heldenhafte Soldaten, ein kurioser Auftritt von Mr. Pickwick, herzliche Menschen vom Land, hübsche, junge Damen, eine eifersüchtige Jungfer – was für ein prachtvolles Personentableau, das Dickens hier in wenigen Seiten aufführt.

Pickwick Papers | 3. Kapitel: S. 103- 115

3. Kapitel: A new Acquaintance–The Stroller’s Tale–A disagreeable Interruption, and an unpleasant Encounter


Dismal Jemmy – der trübsinnige Jem Hutley- tritt auf und erzählt die gar traurige Geschichte eines wandernden Schauspielers. Ich bin kein Mediziner, aber die Symptome, die der trübsinnige Jemmy in seiner Erzählung über den sterbenden Schauspieler beschreibt, deuten auf ein tödlich verlaufendes Delirium tremens hin. Ein interessanter Einblick in die Problematik des Alkoholimus, den Dickens da liefert. Und natürlich die traurige Geschichte, der armen Künstler. Ein wenig scheint es so, als löse sich Dickens hier von seinen eigenen Ambitionen.

Zudem eigenwillig, dass die Herren Pickwicker kaum auf diese, doch sehr traurige Erzählung, eingehen. Vielleicht ist es der Ärger über Dr. Slammer, der da sich breit macht. Dennoch endet das Kapitel freundlich:

„With this exception, their good-humour was completely restored; and the evening concluded with the conviviality with which it had begun.“