Pickwick Papers | 8. Kapitel: S. 170 – 186

8. Kapitel: Strongly illustrative of the Position, that the Course of True Love is not a Railway

Liebesverwicklungen – endlich!
Die Abwesenheit seiner Kumpanen hat der Schwerenöter Mr. Tupman genutzt, um unter einer Pergola seiner Angebeteten, der jungfräulichen Tante, wie sie im Original immer wieder genannt wird, Miss Wardle seine Liebe zu gestehen und – sie zu küssen! Skandal! Und wie so oft in Seifenopern – denn als solche darf man den Pickwick Club gelegentlich auch lesen – lauert das Ungemach in unterschätzten Zeitgenossen. Bei Miss Wardle und Mr. Tupman heißt es Joe, ist fett und schläft eigentlich ständig ein. Diesmal allerdings ist er hellwach, auch wenn er sich vom Anblick des Liebespaares unbeeindruckt zeigt. Eine wirklich grandiose Szene! Was er gesehen hat, hat er gesehen und plaudert alles bei Mrs. Wardle, der Mutter der unglücklichen Jungfrau, aus. Dieses Gespräch wiederum belauscht der zwielichtige Alfred Jingle und erpresst daraufhin die arme, unglückliche Jungfer. Denn sie hat das, was Frauen in dem Alter für junge Männer offenbar attraktiv macht – Geld. Zumindest unterstellt Mr. Jingle ihr das. Und so kann er auch gleich die Kunst der Doppelzüngigkeit zeigen und noch den gutgläubigen Mr. Tupman hintergehen. Ja, so gehört sich das bei echten Irrungen und Intrigen.

Bleibt die Frage, ob der Pickwick Club wirklich Seifenoper ist, oder ob hier noch mehr dahinter steckt? Ausgefeiltere und profiliertere Charaktere etwa, die sich mit sehr menschlichen Fragen und Schwächen beschäftigen. Tun das Seifenopern auch? Und wenn ja, wie oberflächlich geschieht das? Geht es da nicht nur um Effekte. Ist Dickens erster „Roman“ – ich tue mich mit dieser Bezeichnung etwas schwer – eine Abfolge liebevoller Humoresken, die auch fast 180 Jahre nach ihrer Entstehung immer noch lesenswert sind – ohne jegliche Effekthascherei? Bestimmt!

Pickwick Papers | 4. Kapitel: S. 115 – 128

4. Kapitel: A Field-Day and Bivouac. More new Friends. An Invitation to the Country

„Many authors entertain, not only a foolish, but a really dishonest objection to acknowledge the sources whence they derive much valuable information. We have no such feeling. We are merely endeavouring to discharge, in an upright manner, the responsible duties of our editorial functions; and whatever ambition we might have felt under other circumstances to lay claim to the authorship of these adventures, a regard for truth forbids us to do more than claim the merit of their judicious arrangement and impartial narration. “

Dickens als Fürsprecher des Quellenschutzes und der Quellenangabe – das wirkt ein wenig ironisch, wenn man an die Querellen denkt, die es nach dem Tod des ersten Illustratoren, Robert Seymour, denkt. Zum Zeitpunkt der Niederschrift konnte Dickens dies freilich nicht wissen.

In diesem zünftigen Kapitel schickt er den Leser mit Begeisterung zu einer Armeeübung – zumal seine Figur, Mr. Pickwick, ein ausgemachter Freund des Militärs ist. So angetan von den Soldaten, dass er fast in ihre Schusslinie gerät, was Dickens einmal mehr Anlass zu komische Szene bietet. Der vom Wind weggewehte Hut ist da nur ein Element. Schwenk rüber zur Kutsche mit dem dicken Joe, der ebenfalls eine dieser kuriosen Gestalten ist, die hier verewigt wurden und der in diesem Kapitel seinen ersten Auftritt hat. Der schlafkranke und übergewichtige Junge ist der Diener von Mr. Wardle. Dessen Töchter Emily und Isabella sowie deren Tante, die Jungfer Rachel, knüpfen hier erste, zarte Bande mit den Herren. Dezent und harmlos, wie es sich für diese Zeit gehört. Das Kapitel endet mit einer – wie ich finde – etwas unverhofften Einladung auf Land.

Heldenhafte Soldaten, ein kurioser Auftritt von Mr. Pickwick, herzliche Menschen vom Land, hübsche, junge Damen, eine eifersüchtige Jungfer – was für ein prachtvolles Personentableau, das Dickens hier in wenigen Seiten aufführt.