Pickwick Papers | 12. Kapitel: S. 229 – 236

12. Kapitel: Descriptive of a very important Proceeding on the Part of Mr. Pickwick; no less an Epoch in his Life, than in this History

Ein Ohnmachtsanfall seiner Hauswirtin Mrs. Bardell begleitet eine enorm wichtige Entscheidung von Mr. Pickwick. Er möchte einen Diener anstellen und hat da niemand anderen als den guten Mr. Samuel Weller im Blick, den ich als Leser schon zwei Kapitel vorher kennenlernen durfte. Ein gewiefter Bursche, so scheint es. Als sich die Herren des unsterblichen Pickwick-Clubs anschicken, Mr. Pickwick zu besuchen, da er sie von seiner Entscheidung unterrichten will, finden sie ihren Freund in einer merkwürdigen, ja man ist versucht zu sagen, zweideutigen Situation. Hält er doch die gute Mrs. Bardell in seinen Armen. Allerdings wandelt Mr. Pickwick nicht auf den Pfaden von Mr. Tupman, dem großen Frauenversteher. Nein, die Hauswirtin ist schlicht in Ohnmacht gefallen und der Gentleman Pickwick fängt ihren Sturz auf.

Eine kurze, heitere Episode, die für den Leser noch ein schlitzohriges Verhandlungsgespräch zwischen Mr. Weller und seinem neuen Arbeitgeber, Mr. Pickwick, parat hält. Ein beschwingter Prolog, wenn man will, zum 13. Kapitel, in dem uns die hohe Politik und ihre Kuriositäten erwarten. Auf geht es also vom heimischen Herd ins sagenumwobene Eatanswill.

Pickwick Papers | 10. Kapitel: S. 196 – 211

10. Kapitel: Clearing up all Doubts (if any existed) of the Disinterestedness of Mr. A. Jingle’s Character

Zweifel hatte es nicht gegeben: Alfred Jingle ist ein geldgieriger Schurke, der die arme Miss Wardle nur betörte, um an ihr Geld zu kommen. Nun also ist es endgültig klar – wie es ja auch die Überschrift verspricht – und der Anwalt Mr. Perker feilscht mit ihm um die Summe, die Mr. Jingle bekommen soll, damit er seine erworbene Heiratslizenz wegwirft und die alte Jungfer wieder zu ihrem Bruder und seiner Familie heimgehen lässt. Denn Mr. Wardle und sein tapferer Begleiter, Mr. Pickwick, haben nach ihrer holprigen Verfolgungjagd nun doch noch Glück gehabt und spüren das im 9. Kapitel geflohene Paar im 10. Kapitel in einem Londoner Gasthof auf.

Das wiederum bietet Dickens die Gelegenheit, einen klitzekleinen, biographischen Hinweis einzubauen. In dem Gasthof White Hart Inn, in dem das flüchtende Paar von Mr. Wardle und Mr. Pickwick gestellt wird, arbeitet der bodenständige Samuel Weller als Stiefel- und Schuhputzer, der hier seinen ersten Auftritt hat. Weller ist eine weitere, sehr typische Dickens-Figur – Diener, freundlich, kantig, spricht Cockney-Slang. Und er putzt fleißig Schuhe:

„Stimulated by this inspiring reflection, Mr. Samuel brushed away with such hearty good-will, that in a few minutes the boots and shoes, with a polish which would have struck envy to the soul of the amiable Mr. Warren (for they used Day & Martin at the White Hart), had arrived at the door of number five.“

Der freundliche Mr. Warren, der hier so neidisch auf die glänzend geputzten Stiefel und Schuhe sein soll, weil Sam Weller das bessere Konkurrenzprodukt von Day & Martin benutzt, ist der ehemalige Chef von Charles Dickens, der in dessen Fabrik für Schuhwichse unter erbärmlichen Bedingungen als Laufbursche gearbeitet hat. Ob ein Autor heute so etwas noch schreiben und veröffentlichen dürfte, ohne gleich von Anwälten verfolgt zu werden? Und ist das eigentlich Product-Placement, was Mr. Dickens hier betreibt?